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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Titel | Titel

Monetäre Bewertung einer nachhaltigen Entwicklung der Stromlandschaft Elbe

Economic valuation of conservation oriented floodplain development in the Elbe River Basin

 

Förderung | Funding

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

 

Laufzeit | Duration

01.07.2000 - 30.06.2003

 

Projektleitung| Project Leader

Prof. Dr. Volkmar Hartje

 

Projektteam | Project Team

Jürgen Meyerhoff (TUB)

Alexandra Dehnhardt (IOW)

 

Kooperationspartner | Cooperation Partner

Institut für ökologische Wirtschaftsforschung gGmbH, Berlin

 

Schlüsselwörter | Keywords

 

Zusammenfassung | Summary

Feuchtgebiete wie Flussauen produzieren vielfältige Leistungen, aus denen die Gesellschaft einen Nutzen zieht. Zu den Leistungen gehören die hydrologische Funktion (z.B. Schutz vor Hochwasser), die ökologische Funktion (z.B. Habitat für gefährdete Arten, Erhalt biologischer Vielfalt) als auch die biogeochemischen Funktionen (z.B. Retention von Nährstoffen). Jedoch werden die Nutzen aus diesen Leistungen bei Entscheidungen über die Entwicklung von Flusslandschaften häufig nicht adäquat berücksichtigt. Vor diesem Hintergrund war es Ziel des Forschungsprojektes, den ökonomischen Wert ausgewählter Leistungen für neu zu gewinnende Überflutungsflächen entlang der Elbe zu ermitteln. Aufbauend auf anderen Untersuchungen des Forschungsverbundes und Informationen der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe (IKSR) wurde von einer potentiell möglichen Rückgewinnung von Auen durch Deichrückverlegungen entlang der Elbe im Umfang von 15.000 ha ausgegangen. Entsprechend den ökologischen Zielvorstellungen wird für diese Auen ein Nutzungsmosaik aus Auwald, Sukzession und extensiver Grünlandnutzung angestrebt.

 

Zur Ermittlung der Nutzen aus zwei verschiedenen Leistungen der zusätzlichen Auen wurden zwei Methoden eingesetzt: Erstens wurde mithilfe der Kontingenten Bewertung (KB) die Zahlungsbereitschaft für einen verbesserten Schutz biologischer Vielfalt ermittelt. Die KB ist eine umfragebasierte Methode und erlaubt es daher, auch die von einer Nutzung unabhängige Wertschätzung für eine veränderte Versorgung mit öffentlichen Gütern zu ermitteln. Befragt wurde eine Zufallsauswahl von 1.300 Haushalte in den Einzugsgebieten von Elbe, Weser und Rhein. Von den befragten Personen waren 22,5% grundsätzlich bereit, sich an der Finanzierung der Maßnahmen zu beteiligen. Bezogen auf die gesamte Stichprobe ergibt sich eine mittlere Zahlungsbereitschaft von 11,9 EUR pro Haushalt und Jahr bei konservativer Schätzung (z.B. Korrektur um Embedding-Effekt, getrimmter Mittelwert). Die Hochrechnung dieser Zahlungsbereitschaften für die Haushalte drei Flusseinzugsgebiete ergibt eine gesamte Zahlungsbereitschaft von 153 Mio. EUR für das erste Jahr und eine von 108 Mio. EUR für die darauf folgenden Jahre.

 

Zweitens wurden am Beispiel der Funktion Nährstoffretention indirekte Nutzungswerte mithilfe der Ersatzkostenmethode monetarisiert. Bei der Methode werden die Kosten technischer Substitute für die jeweiligen Leistungen als Maßstab für ihren ökonomischen Wert herangezogen. Unstellt wird dabei, dass die Kosten eine hinreichend genaue Approximation der Nutzen für die Gesellschaft darstellen. Als Maßstab für die Bewertung dieser Funktion wurden in der Studie erstens die Kosten für das Substitut "Klärwerk" herangezogen, zweitens die Kosten, die aus Maßnahmen zur Reduktion der Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft entstehen würden. Bei konservativer Schätzung beträgt der monetäre Wert aus der Reduzierung der Stickstofffracht durch die hinzugewonnenen Elbauen 8,8 Mio. EUR jährlich (ca. 585 EUR je Hektar).

 

Zum Vergleich der Nutzen und Kosten, die aus der Gewinnung neuer Überflutungsflächen resultieren würden, wurde eine Nutzen-Kosten-Analyse (NKA) durchgeführt. Für ihre wurden zum einen verschiedene Szenarien definiert, mit denen die Spannweite möglicher Entwicklungen repräsentiert werden soll (z.B. Größe der potenziellen Retentionsfläche 10.000 ha/15.000 ha; Kosten für Deichbau oder Landnutzungsänderung), zum anderen Annahmen getroffen über die Projektdauer (20 Jahre) und die Höhe der Diskontrate (3%). Der jeweilige Nettogegenwartswert liegt für die insgesamt acht Szenarien zwischen 850 Mio. EUR und 1.080 Mio. EUR. Das Ergebnis zeigt, dass auch das Szenario mit den höchsten Kosten - sowohl hinsichtlich Deichneubau als auch Landnutzung - und dem größten Umfang an neu zu gewinnenden Retentionsflächen mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) von 2,5:1 deutlich wirtschaftlich ist. Mit jedem investierten Euro ist ein Nutzen in Höhe von 2,5 EUR verbunden. Das Szenario mit den geringsten Kosten und einer zusätzlichen Retentionsfläche von lediglich 10.000 ha ist mit einem NKV von 4,2:1 am wirtschaftlichsten.

 

Im Rahmen einer Sensitivitätsanalyse wurden zentrale Einflussgrößen wie die hochgerechnete Zahlungsbereitschaft und die Nutzen aus der Nährstoffretention sowie die Kosten für den Deichneubau und für die Änderung der Landnutzung jeweils halbiert und verdoppelt. Die Analyse zeigt eine hohe Stabilität der Ergebnisse der NKA, d.h. auch unter ungünstigsten Bedingungen ergibt sich ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis für die Rückgewinnung der Überflutungsflächen entlang der Elbe. Somit ist die Renaturierung und Wiedergewinnung von Überflutungsflächen an der Elbe aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Die Nutzen daraus übersteigen auch bei konservativen Annahmen die damit verbundenen Kosten deutlich. Umgekehrt formuliert: Die Unterlassung von Deichrückverlegungen führt dazu, dass die Gesellschaft sich schlechter stellt als dies unter Beachtung der Nutzen aus den bewerteten Leistungen von Natur und Landschaft rational wäre.

 

Link zu Projektseite | Link to Project Page

 

 

Veranstaltungen | Events

Workshop

Erfassung von Umwelt- und Ressourcenkosten im Flusseinzugsgebietsmanagement

vom 05.06. bis 06.06.2003 an der TU in Berlin

 

Veröffentlichungen | Publications

Alexandra Dehnhardt, Jürgen Meyerhoff (Hrsg.): Nachhaltige Entwicklung der Stromlandschaft Elbe (Editorial und Inhaltsverzeichnis)

 

Alexandra Dehnhardt, Jürgen Meyerhoff: Nachhaltige Entwicklung der Elbe - Nutzen und Kosten der Wiedergewinnung von Überschwemmungsauen Ökologisches Wirtschaften 5/2002.

 

Elsasser, P., Meyerhoff, J. (Hg.) (2001): Ökonomische Bewertung von Umweltgütern. Methodenfragen zur Kontingenten Bewertung und praktische Erfahrungen im deutschsprachigen Raum. Marburg: Metropolis.

 

Jürgen Meyerhoff (1999) Ökonomische Bewertung ökologischer Leistungen - Stand der Diskussion und mögliche Bedeutung für das BMBF-Programm "Ökologische Forschung in der Stromlandschaft Elbe" Studie im Auftrag der Bundesanstalt für Gewässerkunde.

 

Dirk Bornhöft, Jürgen Meyerhoff, Eds. (1998): Umwelt- und Sozio-Ökonomie im Forschungsprogramm Elbe-Ökologie. Mitteilung Nr. 2 der BfG. Koblenz, Berlin.

 

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