direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Titel | Titel

Biologische Vielfalt und deren Bewertung am Beispiel des ökologischen Waldumbaus in den Regionen Solling und Lüneburger Heide (BioTeam FOREST)

Forest conversion: Ecological and socio-economic assessment of biodiversity (BioTEAM - FOREST)

 

Förderung | Funding

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
(Fkz. 01LM0207)

 

Laufzeit | Duration

April 2004 - September 2006

 

Projektleitung| Project Leader

Prof. Dr. Volkmar Hartje

 

Projektteam | Project Team

Dr. Jürgen Meyerhoff

 

Kooperationspartner | Cooperation Partners

Prof. Dr. Peter Preisendörfer, Dipl.-Soziologe Ulf Liebe
Institut für Soziologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Prof. Dr. Hermann Spellmann, Prof. Dr. Jürgen Nagel, Dr. Swen Hentschel, Henriette Duda
Niedersächsische Forstliche Versuchsanstalt

Prof. Dr. Bernhard Möhring, Assessor d. Fd. Nils Hagen von Schmidt

Georg-August-Universität Göttingen, Institut für Forstökonomie, Abteilung Betriebswirtschaftslehre

Dr. Peter Elsasser

Institut für Ökonomie, Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft

 

Schlüsselwörter | Keywords

Biologische Vielfalt, ökonomische Bewertung, Kontingente Bewertung, Choice Experimente, Waldumbau

Forest conversion, contingent valuation, choice experiments, economic valuation biodiversity

 

 

Untersuchungsgebiete | Investigation Areas
 

Lüneburger Heide

Die Landschaft der Lüneburger Heide im vergleichsweise regenreichen NW-Deutschland ist eiszeitlich geprägt. Es überwiegen nährstoffarme und bodensaure Sander- und Talsandflächen, daneben treten lehmreichere Grundmoränen auf. Aufgrund des historischen Nutzungseinflusses sind große Teile der Landschaft verheidet bzw. aktuell mit Kiefernreinbeständen bestockt. Die Heide ist weit über ihre Grenzen hinaus wegen ihres typischen offenen Landschaftscharakters als beliebtes Erholungsgebiet bekannt. Während bisher auf vielen der oligotrophen Sandstandorten natürlicherweise von der Eiche und Birke dominierte Wälder angenommen wurden, schreibt man nach neueren Untersuchungen der Buche eine weitaus größere Rolle in der natürlichen Waldentwicklung zu. Dies hat sich mittlerweile auch in den entsprechenden Forstplanungen niedergeschlagen.

 

Solling

Der Solling ist Teil des südniedersächsischen Berglandes. Das Buntsandsteingebirge erhebt sich bis zu einer Höhe von ca. 530 m ü. NN. Der Solling gehört mit bis zu 1.000 mm mittlerem Jahresniederschlag zu den niederschlagreichsten deutschen Mittelgebirgen. Die natürlicherweise vorherrschende Waldgesellschaft ist der bodensaure, nährstoffarme Buchenwald. Historische Landnutzungen wie z.B. übermäßige Beweidung und intensive Holznutzung haben bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert zu einer Ausbeutung bzw. großflächigen Zerstörung der Wälder geführt. Die verheideten Flächen hat man vornehmlich mit Fichten aufgeforstet.

 

 

Hintergrund | Motivation

Die Wälder in Deutschland produzieren neben Holz und anderen marktfähigen Gütern eine breite Palette öffentlicher Güter. Diese Güter zeichnen sich dadurch aus, dass Personen nicht von ihrer Nutzung ausgeschlossen werden können oder sollen. Beispiele für diese Güter sind Erholungsleistungen, verschiedene Schutzfunktionen des Waldes wie Erosionsschutz, Grundwasserschutz, als Senke für Kohlendioxid zu dienen und biologische Vielfalt zu erhalten. Da diese öffentlichen Güter nicht über Märkte gehandelt werden, gibt es zunächst keine Informationen darüber, in welchem Umfang die Wälder über die Produktion marktfähiger Güter hinaus Nutzen stiften. Um Informationen über diese Nutzen zu bekommen, wurden in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen Bewertungsverfahren entwickelt. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den in der Ökonomik vorgeschlagenen Verfahren einer monetären Bewertung zu.

   Für einen Teil der öffentlichen Güter des Waldes werden die Verfahren zur monetären Bewertung schon seit einiger Zeit angewendet, auch in Deutschland. Jedoch gilt dies nicht für das Gut Biodiversität. Obwohl den Wäldern beim Schutz der ökologischen Vielfalt eine große Bedeutung zukommt (vgl. z. B. BMU und BMVEL , gibt es nur sehr wenige Studien, die explizit eine ökonomische Bewertung dieses Gutes zum Gegenstand hatten. Willis et al. weisen darauf hin, dass es über die Wertschätzung für das öffentliche Gut Biodiversität in Wäldern nur sehr begrenztes Wissen gibt. In ihrem Bericht für die Forestry Commission können sie für Großbritannien lediglich eine Studie anführen, in der Biodiversität in Wäldern monetär bewertet wurde. Dabei ist Großbritannien neben den USA das Land, in dem bis zum heutigen Tage die meisten ökonomischen Bewertungsstudien im Bereich Natur und Landschaft erstellt wurden. In Deutschland ist bisher nur eine einzige Studie über den ökonomischen Wert der Biodiversität in Wäldern in Bearbeitung (Elsasser, Küpker 2002).

   Vor diesem Hintergrund wird ein interdisziplinäres Projektteam (Ökologie, Ökonomie, Soziologie) Veränderungen der biologischen Vielfalt im Wald einer Bewertung unterziehen. Diese Bewertung soll insbesondere Aussagen über den ökonomischen Nutzen einer aktiven Biodiversitätspolitik im Wald ermöglichen. Im Endergebnis sollen mithilfe von Kosten-Nutzen-Analysen verschiedene Maßnahmen einer aktiven Biodiversitätspolitik im Wald auf ihre Wohlfahrtswirkungen hin untersucht werden. Bisher wurden Waldumbauprogramme in Deutschland aus ökologischer, waldbaulicher und auch betriebswirtschaftlicher Perspektive bewertet. Als Beispiel ist das Forschungsprogramm "Zukunftsorientierte Waldwirtschaft" des BMBF zu nennen. Jedoch erfolgte bislang keine gesamtwirtschaftliche Bewertung einer zukunftsorientierten Waldwirtschaft bzw. des ökologischen Umbaus von Wäldern in Deutschland mit dem speziellen Fokus auf die Biodiversität.

   Ausgangspunkt für das Projekt ist das Programm der niedersächsischen Landesregierung für eine langfristige ökologische Waldentwicklung in den Landesforsten (LÖWE), das ein Beispiel für eine aktive Biodiversitätspolitik darstellt. Ziel dieses Programms ist es, auf lange Sicht stabile und ertragreiche Mischwälder aufzubauen. Dies soll dadurch erreicht werden, dass dort, wo es die Waldstandorte zulassen, Nadelholzreinbestände durch einen vielfältigen Laubmischwald ersetzt werden. Der Anteil der Laubbaumarten in den Landesforsten soll von ca. 37 % in 1991 auf langfristig 65 % erhöht werden. Der Anteil der Nadelbaumarten dagegen soll sich in diesem Prozess, der für den Gesamtwald der Landesforstverwaltung etwa die Spanne eines Bestandeslebens umfassen wird, von 63 % auf 35 % verringern. Mit diesen Veränderungen sind verschiedene Niveaus an biologischer Vielfalt verbunden. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Ziele des LÖWE-Programms, insbesondere in den Privatwäldern, nicht ohne eine zusätzliche finanzielle Förderung durch die öffentliche Hand zu erreichen sind. Die Umbaumaßnahmen, mit denen die biologische Vielfalt erhöht werden soll, bedürfen einer etwa 10-jährigen Initialphase und müssen während dieser Phase, insbesondere in den Privatwäldern, mit öffentlichen Mittel gefördert werden.

 

    Ziele | Objectives

    1) Es sollen die Nutzen aus einer Erhöhung der biologischen Vielfalt infolge des Waldumbaus ermittelt werden. Für die Bewertung werden zwei direkte ökonomische Bewertungsmethoden eingesetzt: die Kontingente Bewertung und auch Choice Experimente.

    2) Die ökonomische Bewertung liefert eine wichtige Entscheidungsgrundlage für eine aktive Biodiversitätspolitik, die im vorliegenden Fall die Erhöhung der biologischen Vielfalt im Wald zum Ziel hat. Durch die ökonomische Bewertung können den entstehenden Kosten die zu erwartenden Nutzen aus dieser Politik gegenüber gestellt werden. Aufbauend auf diesen Größen sollen für verschiedene Niveaus an biologischer Vielfalt im Wald Kosten-Nutzen- Analysen durchgeführt werden. Anhand der Ergebnisse soll diejenige Strategie ausgewählt werden, die aus gesamtgesellschaftlicher Sicht die günstigste ist.

     

     



     

    Veranstaltungen | Events

    Projekt Bericht | Project Report

    Meyerhoff, J., Hartje, V., Zerbe, S.(Hg.) (2006): Biologische Vielfalt und deren Bewertung am Beispiel des ökologischen Waldumbaus in den Regionen Solling und Lüneburger Heide. Forschungszentrum Waldökosysteme der Universität Göttingen. Reihe B, Heft 73, Göttingen (erscheint Oktober 2006).

    Vorträge und Poster | Presentations and Posters

    Meyerhoff, J. & Liebe, U. (2004) Protest Beliefs in Contingent Valuation: Explaining Their Motivation, Challenging Boundaries: Economics, Ecology and Governance. International Society for Ecological Economics, Montréal, Canada.

    Meyerhoff, J. (2004) Biologische Vielfalt und deren Bewertung am Beispiel des ökologischen Waldumbaus in den Regionen Solling und Lüneburger Heide, Forstwissenschaftliche Tagung 2004, Freising.

    Meyerhoff, J. & Liebe, U. (2005) Protest Beliefs and Responses in Contingent Valuation and Choice Experiments: A Comparison. Paper presented at 14th Annual Conference of the European Association of Environmental and Resource Economists, Bremen, Germany.

    Meyerhoff, J. & Liebe, U., Zerbe, S. Hartje, V. (2005) The economic Value of Forest Biodiversity. Results from two Choice Experiments. Paper presented at First DIVERSITAS Open Science Conference: Integrating biodiversity science for human well-being in Oaxaca, Mexiko.

    Meyerhoff, J. & Liebe, U. (2005) Status-Quo Effect in Choice Modeling: Protest Beliefs, Attitudes, and Task Complexity. Paper presented at the 3rd World Congress of Environmental and Resource Economists Kyoto (Japan), 3-7 July 2006

    Meyerhoff, J. & Liebe, U., Hartje, V. (2007) Benefits of Biodiversity Enrichment due to Forest Conversion: Evidence from two Choice Experiments in Germany. Paper presented at the 9th Annual BIOECON Conference on "Economics and Institutions for Biodiversity Conservation", Kings College Cambridge, 19-21 September 2007.

     

    Veröffentlichungen | Publications

    Zerbe, S. & Kempa, D. (2005): Waldumbau und Biodiversität. Unterschiedliche forstliche Entwicklungsziele und deren Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Naturschutz und Landschaftsplanung 37 (4): 106-114.

    Liebe, U. (2006): Zahlungsbereitschaft für kollektive Umweltgüter: kritische Überlegungen zur Theorie geplanten Handelns. Zeitschrift für Umweltpolitik & Umweltrecht 29 (1): 87-105.

    Schmidt, I., Zerbe, S., Betzin, J. & Weckesser, M. (2006): An Approach to the Identification of Indicators for Forest Biodiversity—The Solling Mountains (NW Germany) as an Example. Restoration Ecology 14 (1): 123-136.

    Meyerhoff, J. &  Liebe, U. (2007): Protest Beliefs in Contingent Valuation: Explaining Their Motivation. Ecological Economics 57(3):583-594.

    Liebe, U. & Meyerhoff, J.  (2006): Wie bewertet die Bevölkerung biologische Vielfalt in niedersächsischen Wäldern? AFZ - Der Wald, Juli 2006, 776-777

    Meyerhoff, J. &  Liebe, U. (2006): Der ökonomische Wert von Veränderungen der Biodiversität im Wald: Ergebnisse aus zwei Choice Experimenten. Korn, H., Feit, U. (Hrsg.): Treffpunkt Biologische Vielfalt VI. Interdisziplinärer Forschungsaustausch im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt. BfN-Skripten 164, 163-169.

    Henriette Abigail Aline Duda (2006): Vergleich forstlicher Managementstrategien. Dissertation. 186 Seiten. Download Pdf / Bocks on Demand - Amazon.de.

    Liebe, U. (2007): Zahlungsbereitschaft für kollektive Umweltgüter. Soziologische und ökonomische Analysen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften (Amazon.de).

    Zerbe, S., Schmidt, I., Betzin, J. (2007): Indicators for Plant  Species Richness in Pine (Pinus sylvestris L.) forest in Germany.  Biodiversity and Conservation. DOI: 10.1007/s10531-006-9111-0 (published online).

    Zerbe, S., Kempa, D., Xinrong, L. (2007): Managing Biological Diversity in Forests by Applying Different Development Objectives. Archiv für Naturschutz und Landschaftsforschung, März, 3-26

    Liebe, U. & Preisendörfer, P. (2007): Zahlungsbereitschaft für kollektive Umweltgüter. Theoretische Grundlagen und empirische Analysen am Fallbeispiel der Wertschätzung biologischer Vielfalt. Zeitschrift für Soziologie 36(5).

    Liebe, U. & Meyerhoff, J. (2007): A sociological perspective on stated willingness to pay. In: Meyerhoff, J., Lienhoop, N., Elsasser, P. (Eds.) Stated Preference Methods for Environmental Valuation. Applications from Austria and Germany. Metropolis Verlag, Marburg.

    Meyerhoff, J. &  Liebe, U. (2008): Do protest pesponses to a contingent valuation and a choice experiment differ? Environmental and Resource Economics 39(4): 433-446.

    Meyerhoff, J. Liebe, U. & Hartje, Volkmar (2009): Benefits of biodiversity enhancement due to nature-oriented silviculture: evidence from two choice experiments in Germany. Journal of Forest Economics, 15(1-2): 37-58

    Meyerhoff, J. & Liebe, U.: Status Quo Effect in Choice Experiments: Empirical Evidence on Attitudes and Choice Task Complexity. Land Economics (erscheint August 2009).

    Interessante Links | Interesting Links
     

    => Markus Küpker, Johannes-Gustav Küppers, Peter Elsasser und C. Thoroe (2005): Sozioökonomische Bewertung von Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt der Wälder. Bundesforschungsanstalt f. Forst- u. Holzwirtschaft, Hamburg: Arbeitsbericht d. Instituts f. Ökonomie 2005 --------------------------------------------------------------------------------------
    => BioTEAM - Integrative und anwendungsorientierte Modellprojekte
    Nach wie vor bestehen große Wissenslücken in Bezug auf Ursachen, Ausmaß und Folgen des Verlustes der biologischen Vielfalt. So ist nicht einmal die vorhandene Größenordnung der biologischen Vielfalt auf der Erde bekannt. Und vor allem die Frage, wie der Mensch die natürlichen Ressourcen gleichzeitig nutzen und erhalten kann, bleibt bisher unbeantwortet.
    Vor diesem Hintergrund hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Forschungsinitiative "Biosphärenforschung - InTEgrative und Anwendungsorientierte Modellprojekte" (BioTeam) gestartet. Im Rahmen dieses Forschungsprogramms werden die Folgen, die der Verlust der biologischen Vielfalt nach sich zieht, untersucht. Gleichzeitig werden jedoch auch die gesellschaftlichen Bedingungen beleuchtet, die diesen Verlust hervorrufen. Nur wenn diese Zusammenhänge besser verstanden werden, können die Möglichkeiten und Grenzen einer nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt aufgezeigt werden.
    Einen Überblick über die geförderten Projekte gibt die Broschüre
    BioTeam - Biodiversitätsforschung für die Anwendung
       

    Materialien | Material

     

    • Fragebogen Kontingente Bewertung Lüneburger Heide
    • Fragebogen Choice Experiment Solling/Harz

    Zusatzinformationen / Extras

    Direktzugang

    Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe